Von Dresden bis nach Wittenberg auf dem Elberadweg

Entlang der Elbe von Dresden bis nach Wittenberg

zu radeln, ergibt eine Fahrtstrecke von ungefähr 170 Kilometern und lässt sich bequem auf zwei Tage verteilen. Eine schöne Strecke, die ich im Spätsommer 2010 anlässlich der Jungfernfahrt mit einem neuen Liegerad kennenlerne, das ich mir bei einem Händler in Dresden abhole. Ein idealer Anlass für eine derartige Fahrradtour durch eine Landschaft von Wiesen und Auen, durch Dörfer und kleine Städte, die mehr oder weniger nah an der Elbe gelegen sind.

Die Elbe selbst habe ich zuvor schon unzählige Male mit dem Auto überquert. Die wenigen großen Städte, die der Fluss in Deutschland miteinander verbindet, Hamburg z.B. und eben Dresden, sind mir geläufig, aber das Land dazwischen, der Lauf des Flusses selbst, ist mir bisher unbekanntes Terrain und dessen Entdeckung aus der Perspektive des Radfahrers wird mir so eine sehr abwechslungsreiche Partie.

Gohliser Mühle

Einen Teil der Strecke bin ich einige Wochen zuvor ja schon einmal, bei allerdings regnerischem Wetter, gefahren. Ich wollte diese kurze und sehr feuchte Tour nicht einfach nur wiederholen, sondern die Gelegenheit nutzen, eben das neue Rad 'einzufahren' und gleich zu testen, wie weit ich denn mit zwei ruhigen Tagesetappen so kommen würde. Dass es dann doch nicht ganz bis Berlin an einem Wochenende reichen würde, war mir ja realistischer Weise bereits vorher klar.
Frühmorgens ist es jetzt, Mitte September noch kühl und ich gehe die wenigen hundert Meter von meinem Quartier in Alt-Pieschen bis zu der Rad-Werkstatt lieber auf der schon von der noch tief stehenden Sonne beschienenen Straßenseite. Im Schatten ist es empfindlich kalt.

Das ändert sich jedoch schnell. In der Sonne wird es wärmer und das Wetter spielt auch wirklich mit. Ich bin etwas überascht, wieviele Leute sich doch an diesem sonnigen Samstagvormittag auf dem Elberadweg tummeln. Ich starte also wie schon fünf Wochen zuvor in Pieschen an der Oschatzer Strafle, mache mit dem neuen Rad noch zwei, drei Anfahrproben und rolle selbstsicher in die Leipziger Straße. Die Spätsommersonne hat bereits viele andere Radfahrer aus der Stadt an das Ufer der Elbe gelockt, die hier aus der Stadt heraus und in die Dresdener Peripherie, in Richtung Radebeul fließt. Auf dem Radweg ist Einiges los, damit hätte ich ja auch nicht gerechnet. Und ich falle mit dem Liegerad natürlich auf. Ich gewöhne mich jedoch schnell daran, von entgegen kommenden Radlern freundlich bis belustigt angestarrt zu werden. Das ist cool. Allerdings habe ich anfangs auch noch damit zu tun, mit dem Rad und der wunderbar, beinah zu sanft reagierenden Schaltung zurecht zu kommen. So rolle ich durch den Vorort Übigau erstmal lieber weiter auf der Straße, als dass ich dem Radweg hoch auf den winkeligen Fußweg folge.

Hochwassermarke

Auf der Flügelwegbrücke überquere ich dann erstmals die Elbe, um für einige Kilometer nah am südlichen Flussufer über die Flusswiesen in Richtung Radebeul und Coswig zu fahren. Zunächst drückt sich der Radweg unterhalb der Bundesstraße 6 eng an das kurze steile Ufer, dann wird die Landschaft weiter und bietet bis zum in einigen hundert Metern entfernt gelegenen, dicht bebauten Ortsteil Stetzsch und weiter bis Gohlis eine hellgrüne Wiesenfläche, die sich wunderbar vom tiefen Blau des klaren Himmels mit den wenigen Schäfchenwolken absetzt. An der Gohliser Mühle ist der Biergarten mit Gästen gut gefüllt, es ist angenehm warm. Inzwischen auch im Schatten der Büsche und Bäume dieser kleinen Idylle direkt am Elbufer.

Lorenzkirch

In Gohlis selbst, nur ein paar hundert Meter weiter, führt der Radweg vom Ufer weg und durch den kleinen Ort hindurch. Bei dem Elbehochwasser 8 Jahre zuvor wurden die Häuser hier bis unter die Decke der ersten Etage überschwemmt, wie eine deutliche Markierung auf der inzwischen schön wiederhergerichteten Fassade eines der älteren Gebäude mitteilt. Dieses Wohnhaus hat im Lauf der Jahrhunderte offenbar schön öfter in den Fluten der Elbe gestanden. Bei Niederwartha überquere ich den Strom wieder in Richtung Norden. Dort trägt eine Eisenbahnbrücke gleichzeitig auch einen Fußweg, der wohl hauptsächlich von Radfahrern genutzt wird. Die Rampe dort hinauf zieht sich in die Länge. Auf halber Höhe ist sie dank einer Bushalte- und Wendestelle noch breit, wird dann aber enger und an diesem Steilstück fällt es mir plötzlich schwer, meine Geschwindigkeit noch zu halten. Ich verschalte mich und bevor ich noch korrigieren kann, rutsche ich zur Seite weg und sitze schließlich auf dem Boden. Solche Anstiege muss ich wohl noch üben.

Albrechtsburg

Am gegenüberliegenden Ufer geht es auf einer breiten Rampe dann von der Brücke wieder hinunter und schließlich drunter durch und weiter flussabwärts. Der Radwanderweg führt nun auf einem breiten Asphaltstreifen durch Wiesen entlang des Flussufers. Die Stadt Coswig liegt mit ihren Industrie- und Gewerbeanlagen rechts oberhalb dieser Idylle. Bis nach Meissen sind es noch etwa 10 Kilometer. Bei Kötitz kreuzt der Radweg die Zufahrt zu der kleinen Motorfähre, die hinüber nach Gauernitz fährt. Der Weg macht hier einen scharfen Knick und führt etwa 15 Meter oberhalb des Parkplatzes weiter in Richtung nach Meißen und Sörnewitz. Die Stadt kündigt sich schließlich mit einer Reihe von Schrebergärten an, die sich zwischen Bundesstraße und Radweg keilen. Gepflegtes aber auch unübersichtliches Grün hinter Lattenzäunen. Der Radweg hält jetzt etwas Abstand zum Fluss.

Schafe an der Elbe

In Meißen selbst wird er aber wieder direkt am Ufer der Elbe entlang geführt, unter den Brücken von Triebischtalbahn und Landesstraße 177 hindurch und man hat einen wunderbaren Blick hinüber zum Burgberg mit dem Dom und mit der Albrechtsburg. Zu deren Füßen gewissermaßen mündet auch die Triebisch in die Elbe. Ein Fleck, an dem man getrost einen Moment verweilen und den Blick über den Fluss hinüber auf die Altstadt genießen kann.
Die rechts der Elbe gelegenen Stadtteile erstrecken sich oberhalb des Flusses, es ist nur wenig davon zu sehen und nach etwa einem Kilometer befindet man sich auch schon wieder außerhalb der Stadt. Jetzt würde ich ja gerne schon mal eine längere Pause machen. Restaurants und Biergärten gab es bisher entlang der Strecke immer wieder, da ist der Elberadweg sehr gut ausgestattet.

Ein sicherlich sehr hübsch in einem Knick der Elbe gelegenes Restaurant ist sicherlich die "Karpfenschänke", aber hier fahre ich noch vorbei. Dort ist es mir zu voll. Auf dem Parkplatz steht sogar ein Reisebus. Bis nach Kleinzadel lasse ich es noch rollen und setze mich dort für eine halbe Stunde in einen offenen Biergarten auf einer blühenden Wiese, die direkt am Ufer der Elbe liegt. Apfelschorle und Erbsensuppe

GPS-Aufzeichnung der gefahrenen Strecke:

Das Tal der Elbe, das bei Meißen recht eng und mit steilen Wänden begrenzt ist, läuft hier schon wieder weiter auseinander und bleibt hinter Seusslitz und Merschwitz schließlich eine flache Ebene. Bei Diesbar-Seusslitz rückt noch einmal der Hang in die Nähe des Ufers in Form eines Weinbergs, das war es dann aber auch. An der barocken Schlosskirche mache ich noch eine kurze Pause und verabschiede mich für einige Kilometer vom Ufer der Elbe. Der Radweg wird nun entlang einer Landesstraße und bald über Wiesen geführt.

Schloss Hartenstein in Torgau

Hinter Riesa verläuft der Radweg weiter auf dem Deich, neben einzelnen Obstbäumen. Das Gras der Wiesen bis zum Elbufer steht hoch und lädt zum Verweilen ein. Einzelne Wildblumen schauen zwischen den Halmen hervor und geben in der Nachmittagsonne ein nettes Bild. Es ist bis nach Torgau immer noch ca. zwei Stunden Weg und inzwischen an der Zeit sich um ein Nachtquartier zu kümmern. Am liebsten würde ich ja noch bis hinter Torgau fahren, um für den folgenden Tag eine gute Ausgangsposition zu haben. Aber nach kurzem Telefonierenentscheide ich mich für eine Pension in Weßnig noch etwa 10 Kilometer vor Torgau, da mein Wunschquartier kein Bett frei hat. In Torgau selbst versuche ich es nicht weiter, da ich gern im ländlichen Umfeld übernachten möchte und keine Lust auf ein größeres Hotel habe.

Auf dem Radweg sind außer mir jetzt nur noch sehr wenige Radfahrer unterwegs. Manchmal überhole ich Einheimische, die gemütlich mit ihrem Rad vielleicht vom Sonntagskaffee nach hause rollen oder ich fahre an einem Schäfer vorbei, der mit seinem Geländewagen samt Hänger den Radweg blockiert, damit beschäftigt, einzelne Schafe seiner Herde zum Abend umzusetzen.

Elbefähre

Von Weßnig aus fahre ich früh am nächsten Morgen bei kühler Luft aber unter einem wunderbar klaren, blauen Himmel weiter in Richtung Norden. In der Küche der Pension wird schon fleißig gekocht während ich frühstücke und die Versorgung nicht nur des eigenen Restaurants vorbereitet. Der Tag verspricht spätsommerlich warm zu werden,

Es macht einfach große Lust, so früh an diesem Sonntag unter dem klaren blauen Himmel draußen unterwegs zu sein. Bis nach Torgau habe ich von hier etwa 10 Kilometer und der Radweg wird zunächst abseits der Elbe durch Bennewitz hindurch und entlang einer Reihe von Teichen im Schatten der alten Bäume einer ruhigen Allee geführt. Zweimal wird die B182 gekreuzt, die den Autoverker inzwischen an den kleinen Dörfern dieser Elbaue vorbei leitet. Nach der Ortsdurchfahrt in Loßnig fährt man über Wiesen und an Pferdekoppeln vorbei durch das Hinterland der Elbe, deren Verlauf man wegen des Deiches nicht direkt sehen kann und man hat bereits die Renaissancefassaden von Marienkirche und Schloss Hartenfels in Torgau im Blick. In der Ferne leuchten diese schön restaurierten Gebäude hell im Licht der morgendlichen Sonne.

Schifferkirche

Der Radweg wird schließlich direkt unterhalb des Schlosses am Ufer der Elbe entlang geführt und auf kürzestem Weg kommt man so durch die Stadt hindurch. Nach kurzer Strecke direkt am Flussufer fährt man mit etwas Abstand weiter durch eine wunderschöne Auenlandschaft, die an inzwischen zu stehenden Gewässern gewordenen Altarmen der Elbe verläuft. Bei Dommitzsch kann man sich mit einer Fähre an das rechtseitige Ufer übersetzen lassen, nach Prettin, oder durch die Stadt hindurch fahren und am linksseitigen Ufer bleiben, was wegen der B182 die dort gekreuzt werden muss, nicht ganz so schön ist.
Man kommt aber anschließend in Richtung Priesitz an den Rand der Dübener Heide und durch schattigen Wald, fährt einige Kilometer entlang einer stillgelegten Bahnlinie und trifft dort selbst an diesem sonntäglichen Spätvormittag im September auf nur wenige andere Ausflügler.

In Priesitz führt der Weg direkt an einem aus dem 13. Jahrhundert stammenden kleinen Kirchenbau vorbei, der ursprünglich von Schiffern und Fischern zur Andacht genutzt wurde. Diese Schifferkirche wird heute auch als Radfahrerkirche genutzt und liegt an einer Wiese und einem Altarm der Elbe, die zum Ausruhen und verweilen einladen. Kurz darauf folgt das kleine Städtchen Pretzsch und eine weitere Fährverbindung zum rechtsseitigen Elbufer. Hier lasse ich mich von der durch die Flussströmung angetriebene Fähre übersetzen.

Es folgen Dörfer wie Klöden und Schützberg und in Gorsdorf wird am Rande eines umfangreichen Feuchtgebietes die Schwarze Elster überquert. An einer 180-Grad-Schleife der Elbe erstreckt sich dann das Städtchen Elster am nördlichen Ufer des Flusses über eine Länge von etwa zwei Kilometern. Am Ortsausgang zieht eine liebevoll in Schuss gehaltene Bockwindmühle vom Ende des 19. Jahrhunderts aller Augen auf sich. Danach bleiben nur noch etwa 12 Kilometer bis nach Wittenberg. Ein Zug der Regionalbahn steht im Bahnhof schon abfahrbereit, als ich dort ankomme. Die Besichtigung der wichtigsten Bauten dieser Lutherstadt muss ich also auf ein Andermal verschieben..

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