Radtour von Wannsee in den Fläming

Der Fläming

eigentlich auch der 'Hohe Fläming' ist eine eiszeitliche Endmoräne ...

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Von Bahnhof Wannsee in den Fläming

Die gefahrene Strecke (GPS-Aufzeichnung)
Ein paar Fotos der Fahrradtour

Am Empfangsgebäude des Bahnhofs Berlin-Wannsee, einem Klinkerbau aus den späten Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts, unweit der Dampferanlagestelle am Großen Wannsee, beginnt unsere Tour. Ich bin heute nicht allein unterwegs, wir starten zu sechst und werden im Laufe der Reise noch auf sieben anwachsen. Der Ort ist gut für den Beginn von Fahrradtouren in das berliner Umland geeignet, da man mit S- wie auch mit Regionalbahn schnell aus der Innenstadt hierher kommt.

Los geht es vom Bahnhof aus zur Königsallee und auf dem dortigen Fahrradweg zunächst in Richtung Glienicker Brücke. Die Schiffsanlegestelle lassen wir auf der rechten Seite hinter uns liegen. Die Königsallee führt hier mit einer breiten Brücke über den Verbindungskanal zwischen Kleinem und Großem Wannsee und bevor es den langen Anstieg zum Schäferberg hinauf geht, biegen wir auch schon in die Chausseestraße ein, in Richtung Babelsberg. In dem gotisch anmutenden Turm der kleinen Kirche am Stölpchensee werden gerade die Glocken geläutet als wir daran vorbei rollen.

Über den Teltowkanal hinweg und am Griebnitzsee vorbei kommen wir nach Babelsberg, passieren den Campus der Universität Potsdam und das Film- und Studiogelände der Filmpark Babelsberg, wo schon Marlene Dietrich und Emil Jannings einst Hauptrollen gespielt haben. Wir verlassen Babelsberg aber schnell wieder durch die in den letzten Jahren neu entstandenen Gewerbegebiete entlang der Wetzlarer Straße und in Richtung Südwesten, unterqueren die Nuthe-Schnellstraße und kommen kurz darauf in die Waldstadt, den letzten Ausläufer Potsdams vor den Ravensbergen.

Auf einem Waldweg

Auf den bisher etwa 11 km Strecke, hatten wir überwiegend glatten Untergrund, gepflastert oder asphaltiert. Wir sind bisher nur entlang offizieller Straßen gefahren. Dazwischen fand sich auch ein kurzes Stück Kopfsteinpflaster, etwas unangenehm zu befahren, aber nur wenige hundert Meter lang. Hier ab Waldtsadt führt uns die Strecke in Richtung Caputh in den Wald hinein und auf unbefestigten Untergrund. Auf einer zwar breiten, aber sandigen Verbindungsstraße, für motorisierten Verkehr gesperrt, fahren wir in die Ravensberge.

Der Heuweg nach Caputh trägt seinen Namen bereits seit der Zeit des ausgehenden Mittelalters, als die Bauern des Dorfes Viehfutter und Heu aus der Gegend von Drewitz herholten. Dies war nötig, da die Feldmark an Schwielowsee/Templiner See und Caputher See nicht ausreichend viel Fläche dafür bot.

Wir bleiben zwar auf diesem Waldweg unterhalb der 114 m hohen Erhebung des Kleinen Ravensbergs, haben trotzdem einen Anstieg auf bis ca. 75 m zu bewältigen und können die Räder danach für wenige Kilometer munter rollen lassen. Das weitere Gelände in Richtung Caputh ist nun leicht abschüssig. In umgekehrter Richtung wäre der Weg etwas beschwerlicher. Wir kreuzen schließlich die Bundesstraße B2 und machen kurz Halt, um nach den inzwischen 15 km Strecke und dem Anstieg eben an den Ravensbergen schon die eine oder andere oberste Kleidungsschicht abzulegen. Es ist doch wärmer als erwartet, es wird sogar etwas heller und die Lufttemparatur steigt langsam an.

So macht das Radfahren Spaß. Der märkische Kiefernwald bietet zwar wenig Abwechslung fürs Auge, aber wir sind ja gleich in Caputh und auch wieder am Wasser, am Ufer des Templiner Sees. Regen scheint erst einmal weit entfernt zu sein. Gelegentlich kommt nun sogar die Sonne duch de Wolken.

In Caputh rollen wir durch die verwinkelten kurzen Straßen hinunter ans Wasser und machen dort ersteinmal eine Pause. Ein Yachtverein hat hier seine Stege ins Wasser gebaut, an denen die Boote liegen und zwischen denen einige Enten gründeln. Hier geht der Templiner See in den Schwielowsee über und ungefähr 500m weiter befindet sich am Ufer der Fähranleger der Verbindung hinüber nach Geltow. An der kleinen Kirche des Ortes, im neunzehnten Jahrhundert aus den hellen Ziegeln einer der vielen in dieser Zeit betriebenen Ziegeleien der Gegend erbaut, sind wir schon oben im Ort vorbei gekommen.

Templiner See

Wir radeln weiter in Richtung Ferch, zunächst am Bahnhaltepunkt Schwielowsee vorbei und aus Caputh hinaus. Die Straße verläuft bald nahe des Seeufers und ab dem Ortsausgang von Caputh gibt es auch wieder einen separaten Radweg neben der Straße. Der recht breite Uferbereich des Schwielowsees ist mit Schilf bewachsen und teilweise ein Feuchtgebiet, durch das der Radweg auf hölzernen Stelzen und mit einer Fahrbahn aus Holzplanken führt. Durch die allgemein recht feuchte Umgebung und das regnerische Wetter sind die ziemlich nass und rutschig, trotzdem die Sonne jetzt öfter durch die Wolken scheint und inzwischen auch sommerlich wärmt. In einer der leichten Kurven rutscht mir das Hinterrad unerwartet weg, aber ich kann das Rad noch abfangen und 'auf Kurs' halten, bevor es mir komplett wegrutscht. In Ferch suchen wir uns nun ein Café, um die kurze Pause von vorhin fortzusetzen und den Coffein-Bedarf zu decken.

Aber wir wollen uns nicht allzu lange aufhalten, zumal die Sonne nun immer häufiger auch direkt zu sehen ist. Von Ferch aus kommen wir in die Kemnitzer Heide und weiter zu einem wichtigen Nebenschauplatz des Beelitzer Spargelanbaus.
Rund um Klaistow und bis nach Kanin erstreckt sich eine gewaltige Spargelanbaufläche, an der wir auf der Landstraße in einem langgezogenen Bogen vorbeifahren. Das sonst in den aufgehäuften kleinen Erdwällen versteckte Edelgemüse steht jetzt, beinah zwei Monate nach dem Ende der Spargelsaison, als etwa mannshohes, fein verästeltes Gebüsch in der Märkischen Erde. Kaum vorzustellen, dass hier im Frühsommer ständig auf den Feldern gearbeitet wird. Ein einsam am Rand des Feldes geparkter Trabant Kombi lässt einen daran erinnern, dass es hier vor zwanzig Jahren einen nur rudimentären Rest des einstigen Anbaus aus der Zeit der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts gab, der aber in den um Beelitz liegenden Dörfern seitdem auf mehr als 1000 ha Anbaufläche ausgebaut wurde.

Trabant Kombi bei Kanin

Von Kanin aus fahren wir auf einer Nebenstraße weiter in Richtung Borkwalde. Die Gegend wird wieder etwas bewaldeter und am Ende eines kurzen Anstiegs beginnt neben der Fahrbahn ein asphaltierter Radweg. Der ist Teil des Brandenburger Fahrradwegenetzes, das man ganz allgemein als sehr gut bezeichnen kann. Es ist dies hier ein Teil der 'Tour Brandenburg', dem längsten zusammenhängenden Radwanderweg in Deutschland, dem wir über Borkwalde und Borkheide einige Kilometer bis nach Brück folgen.

Unbehelligt vom Straßenverkehr auf eigener Fahrbahn zu radeln ist natürlich viel entspannter, als ständig auf sich von hinten annähernde Fahrzeuge achten zu müssen. Auch wenn die Verkehrsdichte verhältnismäßig dünn ist, kommen die Fahrzeuge ja doch mit hohem Tempo auf einen zu und nehmen es mit dem seitlichen Abstand nicht immer so genau.

In Lühnsdorf

Der europäische Radfernwanderweg R1 ist hier gut ausgebaut und führt uns durch ein langgezogenes Waldstück an einem Truppenübungslatz vorbei nach Brück-Ausbau und schließlich bis nach Brück. Gegenüber dem Bahnhof befindet sich ein Eiscafé und als wäre es nicht gerade eineinhalb Stunden her, dass wir in Ferch pausiert hatten, so lassen wir uns hier nun für Quarktorte bzw. leckere Eisbecher nieder. Soll niemand sagen, wir würden zu sehr hetzen.

Waren wir bis Brück noch zwischen größeren Dörfern unterwegs, so reduzierten sich nun die Siedlungen an denen wir vorbei kamen auf Ansammlungen von Höfen und auf sehr alte Ortskerne. Ziezow, Locktow, Mörz sind solche Flecken, Dahnsdorf schon wieder etwas größer. In jeder dieser Siedlungen kommen wir auch an einer kleinen Kirche vorbei. Das Dach vieleicht irgendwann in den letzten Jahren neu gedeckt oder zumindest notdürftig repariert, machen sie allerdings eher einen ärmlichen Eindruck, als viele andere kleine Gotteshäuser z.B. im Havelland.

Auf dem Weg nach Belzig

Dahnsdorf, Lühnsdorf und dann macht der Himmel schon wieder einen so missmutigen Eindruck, als wollte er gleich seine Schleusen öffnen. Irgendwo weiter nördlich hängen die Wolken ohne Kontur und tiefgrau und es schickt sich ein Gewitter an, uns deutliche Zeichen zu senden. Wollen wir jetzt noch weiter? Bis Rabenstein sind es keine 10 Kilometer mehr, bis zum Bahnhof in Belzig ist es ungefähr genauso weit. Die Entscheidung hierrüber nimmt uns der einsetzende Regen ab. Wir bleiben einfach im Ort und machen es uns während des starken Gewitterregens in der Gaststube der Alten Schmiede gemütlich.

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