Kühl und schnell - Hamburg-Marathon - 23.04.2006

Hamburg

das Tor zur Welt, der Rahmen für eine der schnelleren Marathonstrecken in Deutschland.

Ein Kurs aus einer kleineren Schleife durch St. Pauli, entlang der Reeperbahn, nach Altona und zurück entlang des Hafens, und nach Durchlaufen der Altstadt und Umrunden der Binnenalster aus einer großen Schleife um die Außalster und weit in den Norden bis nach Ohlsdorf, durch Alsterdorf und Eppendorf und wieder zurück nach St. Pauli.

Es steht nicht durchgängig Publikum an der Strecke, insbesondere im Bereich nördliches Alsterkrug und Eppendorf bleibt Zeit zum Nachdenken, zum mentalen Ausspannen. Hier geht es auch über den kritischen Abschnitt der Kilometer 32 bis etwa 37.

Die emotionalen Höhepunkte liegen jedoch nicht weit davon entfernt, am Klosterstern bei etwa Kilometer 38, von dem du dich gar nicht mehr lösen möchtest, weil die Zuschauermenge die Strecke hier auf eine Breite von vielleicht nur 2 bis 3 Meter zusammendrängt und du auf dem ohrenbetäubenden Lärm vorwärts schwimmst. Oder lange vorher schon entlang der Elbchaussee und Hafenstraße, wo die Menge alle Brücken und Aussichtspunkte besetzt hält und dir aus größerer Distanz frenetisch zujubelt.

Nach dem Klosterstern kommt ein leichter Anstieg, mit dem du überhaupt nicht mehr rechnest, den du aber nach dem Adrenalinschub leichten Fußes hinter dir läßt, und kurz vor dem Ende der Srecke folgt ein letztes Bad in der Menge am Bahnhof Dammtor, bevor es in einem langen Bogen den Gorch-Fock-Wall entlang in Richtung Ziel geht.

Marathon-Info

Hamburg-Marathon am 23.04.2006

Mit dem Startschuss um 9:05 begann meine Reise durch Hamburg wie immer bei einem solchen Massenevent verhalten. Etwa eine Minute später war ich auf der Startlinie, und die Masse kam nur langsam in Fahrt. Die ersten beiden Kilometermarkierungen habe ich übersehen, bei km 3 war ich noch so entspannt, dass ich mich über den frühen Zeitverlust nicht wirklich geärgert habe.

Etwas später, nachdem ich Bernd (mit M.) verblüfft überholt hatte und er mir Thod als Ziel, in etwa 100m Entfernung voraus, virtuell vor die Nase setzte, hatte ich den Eindruck, die Masse würde immer dichter. Wunschgemäß vorwärts kam ich jedenfalls nicht. Thod habe ich nie gesehen.

Auch an Hans muss ich blind vorbei gegangen sein. Der Blickkontakt zu meinen direkten Laufnachbarn und Vorderläufern war auch wichtiger: Haken schlagen, abstoppen, schnell reagieren um dann vorsichtig auch mal zu überholen - auf den ersten 10 km war das nicht leicht (so habe ich es zumindest empfunden) und die drei Minuten über über meiner geplanten Durchgangszeit habe ich später nicht wirklich wieder reingelaufen.

Oder doch? - Jedenfalls blieben so noch ein paar Reserven mehr als geplant. Kann ja auch nicht schaden. Und unterm Strich konnte ich wie bisher bei meinen meisten Läufen die zweite Hälfte schneller hinter mich bringen als die erste. Diesmal deutlich mit rund fünf Minuten. Man muss aber auch sehen, dass die zweite Hälfte oder vieleicht das letzte Drittel mehr und euphorischeres Publikum bietet. Mein schnellster Abschnitt lag zwischen Kilometern 33 und 38, danach ging es gemein bergauf und bei km 40 wieder hinein in die eng umlagerte und laut umjubelte Bahn, und der letzte km hat mir dann voll in die rechte Zwerchfellseite gehämmert, ich konnte nur noch lachen (innerlich, über mich selbst) und versuchen irgendwie so etwas wie mein Tempo zu halten und nicht gegen den Anstieg anzukämpfen. Diese Steigung kurz vor dem Ziel hatte Hans schon mal kurz erwähnt und in Stockholm hatte ich so etwas ähnliches schon mal durchgemacht. Einfach dranbleiben, Schritt verkürzen, Schrittfrequenz erhöhen - es ging nicht wirklich. Die Seitenstiche wollten im eigenen Takt mitarbeiten. Man sieht nicht mehr so elegant aus aber vorwärts geht es allemal. Das Zielbanner dann vor Augen, war die Luft wirklich raus, und es war gar nicht schlimm, jetzt doch auch wieder überholt zu werden...

Mein Ziel habe ich trotz des etwas frustrierenden Einstiegs in den später einfach nur tollen Lauf deutlich erreicht, mit 3:27:06 meine bisherige Bestzeit um knapp 29 Minuten unterboten. Später dann noch mal rund um den Hafen auszulaufen und die müden Muskeln eine halbe Stunde lang noch mal mit frischem Sauerstoff zu versorgen, das setzte den i-Punkt und verhinderte den Muskelkater bis jetzt.

000004  | Kontakt |  Startseite |  Blog |  letzte Änderung: 08.02.2007 © Christian Drews