Orientierungslauf-Basics Lektion 1

Orientierungslauf

Sich in der Natur zu bewegen und dabei die deutlichen wie auch die undeutlicheren Spuren von Wachstum und Zerfall und auch von menschlicher Aktivität zu lesen, ist eine spannende Auseinandersetzung der Sinne mit der Umwelt.

Dies laufend und bei höchster Konzentration zu tun, ist eine sportliche Herausforderung, der man sich mit unterschiedlicher Zielsetzung und in jedem Alter stellen kann.

Orientierungslauf (OL) ist eine Natursportart skandinavischen Ursprungs, die Körper und Geist gleichermaßen beansprucht. Die Aufgabe für den Orientierungsläufer besteht darin, mit Hilfe von Karte und Kompass eine bestimmte Anzahl vorgegebener Kontrollstellen – sogenannter Posten – der Reihe nach anzulaufen. Diese Posten sind auf einer detaillierten Spezialkarte genau eingezeichnet. Die Routen zwischen den einzelnen Posten sind jedoch nicht vorgegeben, so dass der Orientierungsläufer während des Laufes ständig aufs Neue vor Entscheidungen über den günstigsten Weg zum Ziel gestellt ist.

Wie in kaum einer anderen Sportart muss im Orientierungslauf somit Laufvermögen mit mentaler Beweglichkeit in Einklang gebracht werden. Dieses faszinierende Merkmal hat dem OL im englischen Sprachraum die Bezeichnung “the thinking sport” eingebracht.
Viele Menschen schätzen zudem die Eigenschaft dieser Ausdauersportart, Gelegenheit zur Bewegung in der Natur zu geben und durch das Erleben ihrer Einzigartigkeit zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt zu sensibilisieren.
(Aus “ORIENTIERUNGSLAUF Eine Natursportart stellt sich vor”)

"Meine Freundin, die Laufkarte - oder: was mir bisher an Virtualität auf meinen Laufstrecken verborgen blieb"

Nur, um keine falschen Vorstellungen hoch kommen zu lassen: Ich gehe also davon aus, dass Du Sportsfreund Dich nicht als sich bisher gar nicht bewegender Sportmuffel hierher verirrt hast, sondern, dass Du Dich als mehr oder weniger aktiver Läufer für diese Natursportart interessiertst.

Orientierungslauf bedeutet Laufen mit Karte und Kompass. Laufen in der freien Natur durch ein in der Regel unbekanntes Gelände in einer möglichst kurzen Zeit. Der Kompass ist dabei ein sehr hilfreiches Instrument, auf das man nicht verzichten sollte, dessen Zweck in all seinen Feinheiten von Anfang an zu durchschauen, aber nicht zwingwnd nötig ist, um erfolgreich seinen Lauf zu absolvieren. Ohne die Karte aber und ohne ein grundlegendes Verständnis der Darstellungen darauf, ist man schnell hoffnungslos verloren.

Die Karte stellt mit einem recht hohen Anspruch an die Detailgenauigkeit ein maßstäbliches Abbild der realen Verhältnisse in einem abgegrenzten Gelände dar. Dies in Bezug auf die natürlich gewachsenen Eigenheiten, wie z.B. Art und Dichte des Bewuchses, Art und Verlauf künstlich geschaffener Objekte wie Wege, Pfade, Schneisen und Gebäude, Hochsitze, Futterraufen oder Ähnliches und auch in Bezug zu dem zugrunde liegenden Geländeprofil, dem sogenannten Höhenbild.
Dies alles mit dem Ziel, es dem Läufer zu jeder Zeit zu ermöglichen, seinen eigenen Standort im Gelände genau zu bestimmen und somit auch in kürzester Zeit die ebenfalls auf der Karte verzeichneten Kontrollpunkte entlang seiner Strecke zu finden. Diese Strecke ist punktuell vorgegeben, indem die anzulaufenden Kontrollposten eingezeichnet und mit Verbindungslinien in der vorgegebenen Reihenfolge versehen sind.

Die Karte enthält also eine vorgegebene Laufstrecke, die sogenannte Bahn, und macht Aussagen über die Eigenschaften des umgebenden Geländes anhand derer schließlich orientiert werden kann.
'Art des Bewuchses' meint dabei nicht eine Unterscheidung verschiedener biologischer Arten, sondern ist eine grobe Unterteilung des Geländes in z.B. Hochwald oder niedriger wachsendes Gehölz, in Kulturland wie Wiesen oder Äcker, in Privatgrund, der nicht betreten werden darf und auch in Gewässer und Feuchtgebiete, passierbare oder nichtpassierbare Felsen oder Zäune. Wenn viele Details im Gelände vorhanden sind, dann kann die Karte auch unübersichtlich werden.

Die Dichte des Bewuchses wird in unterschiedlichen Farbabstufungen angegeben und gibt einen Anhaltspunkt über verschiedene Stufen der Belaufbarkeit bzw. der Behinderung, die man als Läufer durch das Gelände erfährt. Die Grundfarbe ist weiß. Damit ist schlicht Hochwald gemeint, der ohne Behinderung frei belaufen werden kann. Also Bäume die in einem natürlich gewachsenen Zusammenhang stehen und zwischen denen man ohne merkbare Behinderung hindurchlaufen kann. Je weißer bzw. heller eine Karte ausschaut, desto einfacher ist das darauf abgebildete Gelände zu belaufen. Falls es nicht viel zu steil zum Belaufen ist, was man anhand der Anzahl der Höhenlinien pro Strecke auf der Karte aber auch sehen kann. Je dichter die Höhenlinien, desto steiler ist ein Geländeabschnitt.

Aber prinzipiell ist ein Gelände nicht einheitlich licht bewachsen. Häufig stehen die Bäume dicht beieinander, oder haben tief sitzende, dichte Zweige (junge Tannen z.B.), die einen, wollte man auf kürzestem Weg an ihnen vorbei, mehr oder weniger behindern.
Um zu wissen, worauf man sich bei seiner Routenwahl einlässt, sind unterschiedliche Behinderungsgrade in unterschiedlichen Grünabstufungen (max. 4 verschiedene) dargestellt. Sowohl für Behinderungen durch hochgewachsene, individuelle Bäume in Form von flächigem Grün, als auch für niedriger und unkontrollierter gewachsene Büsche bzw. Unterholz, Gestrüpp in Form von schraffiertem Grün.

Grünflächen in Natura, wie z.B. Wiesen oder Äcker, werden dagegen in dunklem Gelb dargestellt, um sie ganz einfach vom eigentlich zu belaufenden Gelände zu unterscheiden. Das Betreten von bestellten Feldern, Privatland und von eingezäunten Flächen sowieso, ist generell nicht gestattet, dazu gehören auch ungemähte Wiesen. Frisch gemähte Wiesen hingegen, auf denen man nichts 'zertrampeln' kann, dürfen in der Regel überquert werden.

Ein hübsches Beispiel für eine einfache Bahn befindet sich hier beiwww.ol-bayern.dedas schon viele der besprochenen Eigenschaften aufweist.

Startpunkt

Vom eigentlichen Start aus läuft man zunächst auf das Dreieck-Symbol entlang einer kurzen, vorgegebenen Strecke zu, die nicht Bestandteil der Bahn ist. Dieses Dreieck ist im Gelände mit einem Postenschirm markiert, was es dem Läufer erleichtern soll, einen Bezug zwischen der Realität und der Karte herzustellen. Ab diesem Punkt beginnt die Bahn und auch das Orientieren. Im vorliegenden Kartenausschnitt befindet sich dieser Startpunkt an einer Weggabelung. Beide Symbole stimmen überein, das Dreiecksysmbal auf der Karte und der Postenschirm in der Natur und es ist wichtig, dass man von diesem Punkt aus nicht blindlings losläuft, sondern hier die Karte mit Hilfe des Kompasses in die Nordrichtung bringt, um schließlich zum ersten Posten in der richtigen Richtung zu starten.

Dann geht es los. Auf kürzestem Weg kann man in Richtung Südwest den Anstieg hinauf und an dem etwas dichteren Bewuchs vorbei in Richtung Posten 1 laufen. Das kleinere Dickicht, hinter dem das Loch zu finden ist, sollte möglichst nördlich umlaufen werden, aber dieser Umweg ist nur sehr kurz. Welche Ausmaße das Loch hat und wo an oder in dem Loch der Postenschirm angeordnet ist, der als gut sichtbare Markierung dient, kann aus den Piktogrammen der Bahnbeschreibung gelesen werden, die man separat mit sich trägt, oder die separat in die Karte eingedruckt sind. Darüber aber mehr in Lektion 2.

Posten 1 und 2

Von dem Loch aus erreicht man schnell die nördliche Ecke des umzäunten Bereiches, der westlich des Loches folgt. Auf dem Pfad nördlich des Zaunes kommt man schnell zu dem etwas breiteren Karrweg und folgt diesem auf seiner nördlichen Schleife, um dann von unterhalb des Postens auf die Zwei zuzulaufen. Oder läuft man eher auf der südlicheren, leicht ansteigenden Schleife dieses Weges in Richtung der Zwei?
Diese Entscheidung muss man treffen, schon während man entlang des Zaunes läuft und dabei die Karte "liest". Dabei wird man feststellen, dass der nördlich des Postens Zwei verlaufende Weg zwar etwas kürzer ist, man dafür aber mehr als zwei Höhenlinien "absteigen" und später wieder aufwärts laufen muss, während man weiter südlich eher auf gleicher Höhe laüft, bevor man ab dem Hochsitz oder spätestens ab dem abzweigenden, schmalen Weg auf den Posten zuläuft.

Solche Entscheidungen müssen immer wieder im Verlauf eines OLs getroffen werden. Und häufig geht bei "falschen" Entscheidungen wertvolle Zeit auf die konkurrierenden Läufer verloren, was man sich hinterher oft nicht erklären kann.

So wird die vorgegebene Bahn bis zum Ziel abgelaufen, Posten für Posten wird die Karte überprüft und im Laufen das weitere Vorgehen überlegt. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Die reale Natur und auch der Bahnleger stellt einem viele Fallen ..

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