16. Thühringer 24-Stunden-OL - 19.-20.5.2007

Der 24-Stunden-OL

Ist eine Idee, die von Studenten der Universität Jena geboren wurde, denen ein normaler Orientierungslauf irgendwann als zu normal erschien. Etwas spektakuläreres sollte es sein, das auch gleich noch Werbung für den OL in Thüringen machen sollte. Die Idee zu einem Staffellauf, einmal rund um die Uhr, kam da gerade recht.

1985 starteten 6 Teams zum ersten Thüringer 24-Stunden-OL. Die Regeln, die damals ersonnen wurden, gelten größtenteils auch heute noch.

Ein Team besteht aus 6 Läuferinnen und Läufern, die nicht jünger als die Altersklasse H16/D16 sein dürfen. Dabei müssen wenigstens zwei Team-Mitglieder weiblich sein und nur drei Läufer dürfen aus den Altersklassen H20/H21 stammen. Die einmal festgelegte Startaufstellung bzw. Reihenfolge der Läufer des Teams darf während des Wettkampfs nicht verändert werden.

Der Ablauf selbst ist einfach. Von 9.00 Uhr am Samstag bis 9.00 Uhr am Sonntag werden soviele Bahnen wie möglich abgelaufen. Allerdings: von den verfügbaren Bahnen ist keine wie die andere. Es gibt verschiedene Schwierigkeitsgrade und Längen, es gibt Tag-, Nacht-, Dämmerungs-, Start- und Schlussbahnen und die hohe Kunst der Taktik besteht darin, den Läufern seines Teams die richtigen Bahnen zuzuordnen. Nichts ist ärgerlicher, als zu früh mit der letzten Tagbahn fertig zu sein und warten zu müssen, bis die Veranstalter die Dämmerungsbahnen freigeben.

Infos vom 16. 24h-OL

16. Thüringer 24-Stunden-Orientierungslauf am 19./20. Mai 2007

Momentaufnahme vom Verlauf des Events

In den Oberschenkeln bereits eine subtile Müdigkeit verspürend, renne ich über eine Wiese die leichte Steigung über die ungefähr 150 Meter hinauf zur Kartenentnahme, auf das jetzt hell erleuchtete, tunnelähnliche Zelt zu, in dem nach Staffelnummern sortiert, die von jeder Staffel abzulaufenden Karten, verdeckt auf Holzlatten genagelt, hängen. Jetzt in der Nacht wirkt es so, als würde man aus der Tiefe des Alls auf den gleissend erleuchteten Zielpunkt einer langen Reise zusteuern.
Dabei beginnt erst hier die Reise. Die Karte von der Latte reissen, sie umdrehen, den Startpunkt finden, Kompass auflegen und die Karte einnorden sind Eins. Nun die Richtung zum ersten Posten finden, und gleich nach Durchlaufen des Tunnels empfängt mich die Undurchdringbarkeit der Nacht. Es sind noch einige dutzend Meter nach rechts über die hinter dem Kartenzelt weiterführende Wiese bis zum Waldrand zu laufen, und von dem Zelt aus ist der Lichtkegel meines Stirnscheinwerfers als unruhiger Fleck auf dem frisch gemähten Boden zu beobachten. Dann wird er von der Finsternis des Waldes verschlungen.
Ich bin wieder auf der Bahn.

Kartenzelt

Ich laufe zunächst nur ein kurzes Stück quer durch den hier frei belaufbaren Wald, um diagonal zur nächsten Freifläche abzukürzen. Dann geht es etwa zweihundert Meter am Rand der vom Nachttau feuchten Wiese entlang und über einen schmalen Pfad endgültig in den Wald hinein. Die Bahn ist vom Typ "kurz und schwierig" und besteht aus 13 in vorgegebener Reihenfolge anzulaufender Kontrollposten. Es kommen querliegende Nadelbäume in Sicht, die ich jetzt in der Dunkelheit lieber langsam übersteige, auch wenn ich sie bei normalem Tagellicht überlaufen bzw. -springen würde. Dann den Abzweig scharf rechts nicht verpassen. Ist nicht so schwer, da der Pfad vorher in eine etwas breitere, mit Gras überwachsene Schneise aufgehen müsste.
Zumindest behauptet dies die Karte. In der Nacht aber sind solche Feinheiten nicht sehr deutlich zu erkennen, auch nicht in dem hellen Lichtkegel den der kleine Stirnscheinwerfer vor mir ausbreitet.

Das erste zu findende Objekt ist ein markant im Wald stehender Laubbaum, einige Meter nach rechts von dem Pfad entfernt. Der Kontrollposten steht laut Postenbeschreibung östlich des Objektes, also vom Pfad aus gesehen hinter dem Baum. Deshalb und auch weil noch einige umgestürzte Nadelbäume in unmittelbarer Nähe des Baums die Sicht in Bodennähe erschweren, reflektiert der Postenschirm mein Licht erst als ich den Baum umlaufen habe. Von der Rückseite her ist er leichter zugänglich. Chip stecken und weiter.
Wo war doch gleich der Pfad? Dorthin zurück und weiter in Richtung Süden, am nächsten Abzweig dann nach links. Der zweite Posten liegt etwa 400 Meter weiter südwestlich.
An einen Abzweig zu denken, ist dabei eher Bildlich gemeint, denn hier im Wald treffen Pfade auf Karrwege oder kreuzen Schneisen, die nicht auf Anhieb als belaufbare Wege zu erkennen sind. Der Weg, den ich jetzt einen sanft abfallenden Hang hinablaufe, ist ein Karrweg, der erst in der jüngsten Zeit mit offenbar sehr schwerem Forstgerät benutzt wurde. Die von breiten und grobstolligen Rädern gezogenen Furchen in dem schlammigen Boden sind tief und teilweise auch mit Pfützen bestanden. Hätte ich mir denken können, denn das umliegende Gebiet ist großflächig als Einschlaggebiet kartiert. Hier haben die Winterstürme offenbar kräftig gewütet und wurde bis vor kurzem fleissig das Bruchholz ausgeräumt. Am Ende dieses Karrweges, der in einen befestigten Fahrweg mündet, steht denn auch dunkel und drohend das Rückfahrzeug, mit dem mehrere Baumstämme gleichzeitig transportiert werden können.

Michaela - 3C

Eine Begegnung der eher unspektakulären Art. Das Fahrzeug blockiert zwar den Weg, ist aber problemlos zu umlaufen. Auf dem anschließenden Fahrweg komme ich nun wieder in normalem Lauftempo voran. Nur ein kurzes Stück, denn ich muss gleich in den nächsten Pfad abbiegen und diesen etwa 80 Meter weit bergan belaufen und dann abseits davon zwischen zwei Wurzelstöcken und einem kleinen Dickicht ein Sumpfloch finden. Es ist Nacht, um das noch einmal zu erwähnen. Der Pfad ist offenbar vor nicht allzu langer Zeit mit schwerem Gerät befahren worden. Der Boden ist weich und schlammig und in den tiefen Radspuren läuft es sich sehr bescheiden. Also gleich runter davon und diagonal nach Kompass auf das Sumpfloch zugelaufen. Den etwas dichteren Bewuchs kann ich sogar im Licht meiner Kopflampe erkennen und der Postenschirm an dem kleinen Sumpf reflektiert mir kurz darauf auch mein Licht in die Augen zurück.

War also ganz gut zu finden. Der sicheren Orientierung wegen laufe ich lieber zu dem Pfad zurück und quäle mich über den aufgeweichten Boden weiter zum Fahrweg zurück, als dass ich gleich weiter quer durch den niedrigen Bewuchs in Richtung des nächsten Postenstandorts laufe. Das ist kein langer Umweg. Auf dem breiteren Weg läuft es sich einfach besser. Und immer im Kontakt mit der Karte, denn wie schnell ist man an einer unübersichtlichen Gabelung oder Kreuzung in die falsche Richtung abgezweigt. Hier ist es nicht sehr schwer, auch wenn zweimal mehrere Wege aufeinander stoßen. Am Abzweig einfach geradeaus weiter und an der nächsten Ecke nach links weg. Ein einsamer Lichtpunkt kommt mir entgegen, wir laufen stumm aneinander vorbei.

So steckt jeder kurze Abschnitt dieser Strecke in der Nacht voll zu beachtender Details, fordert die Bahn viel Konzentration, die natürlich nicht mehr so leicht fällt, nach inzwischen ungefähr 18 Stunden Wettkampfgeschehen. Ich bin auch zweimal in nicht so glücklichen Situationen, in denen ich leise fluchend einen Punkt zu finden versuche, der mich mit einiger Gewissheit sagen lässt: - ok, hier bin ich richtig.

Tobias - 3B

Nach fast genau einer Stunde bin ich mit der Bahn durch. Die letzten beiden Posten sind bereits alte Bekannte, und inzwischen ist auch die Dämmerung nicht mehr zu übersehen. Die Nacht war klar und kühl, die Wiesen sind im wahrsten Sinne taufrisch und in der Senke mit der großen, für uns Läufer gesperrten, Weidefläche bildet sich mit dem Tagesanbruch dünner Nebel.
Am Wechsel klatsche ich Tobias ab, der bereits wartet und sich mit seinem Akku-Paket auf dem Rücken und dem Scheinwerfer an der Stirn auf den Weg in Richtung Kartenzelt macht.

Diese Staffel zu laufen, bedeutet auch, rechtzeitig am Wechsel bereit zu stehen, ohne genau zu wissen, wann der Wechselnde von seiner Bahn zurück kommt. Wir legen zwar im Team fest, wer welche Bahn ablaufen soll und es lässt sich natürlich grob abschätzen, wie lange jemand für eine bestimmte Bahn benötigen könnte. Aber erstens macht jeder individuelle Orientierungsfehler, die mehr oder weniger Zeit kosten und die nicht kalkulierbar sind. Da kann dann eine kurze Bahn, die in 35 Minuten gut belaufbar ist und mit 50 Minuten großzügig bemessen wurde durchaus 70 Minuten oder mehr beanspruchen. Für den nachfolgenden Läufer bedeutet dies aber, bereits nach 40 Minuten bereit zu sein, denn es kann ja auch einmal schneller gehen.

Das Ergebnis der Schlauen Füchse beim 16. Thüringer 24-Stunden-OL

3Die schlauen Füchse
1 A Drews, Christian 43 GER 4831 9:00:00 00:39:15 SF3
2 B Adner, Tobias 36 GER 411770 9:39:15 01:07:56 SD2
3 C Troeger, Michaela 40 GER 224396 10:47:11 01:04:39 SE1
4 D Klinkhart, Jörg 34 GER 5198 11:51:50 00:56:03 SD3
5 E Friedrich, Bernd 54 GER 224397 12:47:53 01:01:51 SE3
6 F Becker, Silke 45 GER 224398 13:49:44 02:42:56 SE2
7 A Drews, Christian 43 GER 4831 16:32:40 00:50:39 SD1
8 B Adner, Tobias 36 GER 411770 17:23:19 01:05:48 LE4
9 C Troeger, Michaela 40 GER 224396 18:29:07 01:18:14 LE2
10 D Klinkhart, Jörg 34 GER 5198 19:47:21 00:39:13 SE4
11 E Friedrich, Bernd 54 GER 224397 20:26:34 00:53:00 LT
12 F Becker, Silke 45 GER 224398 21:19:34 00:42:58 ST mis
13 A Drews, Christian 43 GER 4831 22:02:32 01:07:08 LEN1
14 B Adner, Tobias 36 GER 411770 23:09:40 01:06:26 LEN2
15 C Troeger, Michaela 40 GER 224396 0:16:06 00:45:50 SEN5
16 D Klinkhart, Jörg 34 GER 5198 1:01:56 00:34:00 SEN1
17 E Friedrich, Bernd 54 GER 224397 1:35:56 00:52:14 SEN3
18 F Becker, Silke 45 GER 224398 2:28:10 01:00:35 SEN4 mis
19 A Drews, Christian 43 GER 4831 3:28:45 01:00:20 SDN2
20 B Adner, Tobias 36 GER 411770 4:29:05 01:00:53 LEN3
21 C Troeger, Michaela 40 GER 224396 5:29:58 01:25:23 SDN1
22 D Klinkhart, Jörg 34 GER 5198 6:55:21 00:49:11 SDN3
23 E Friedrich, Bernd 54 GER 224397 7:44:32 00:41:25 SEN2

Hier noch der spannende Moment des Massenstarts, Samstag um 9.00 Uhr:

Start

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