Emotionen im Läuferalltag - Eine Geschichte aus dem Leben

Nordic Walken

Eine schöne Alternative für den Einstieg in ein auf Gesundheit orientiertes Training. Du wanderst mehr als du läufst, du lernst von Anfang an, deine Arme und Schultern in den Sport einzubeziehen, die Bewegungen und die Belastungen sind ähnlich ganzheitlich weie beim Laufen an sich.

Du solltest dir aber tunlichst erklären lassen, wie du mit deinen Hilfsmitteln, den überlangen Stöcken umzugehen hast. Sie sind keineswegs dafür da, auf dem Boden herumzustochern. Sie sorgen schon bei richtigem Gebrauch für eine nicht unerhebliche Verbreiterung deiner Laufspur, wenn du sie aber unbedacht den Bewegungen deines Oberkörpers folgen lässt, stellst du eine Gefahr für jeden in deiner Nä dar.

Rechne als Nordic Walker stets damit, dass du von Radfahrern oder unbewaffneten Läfern überholt werden könntest, und verhalte dich entsprechend. Denke immer daran, dass deine Stöcke, die dich nicht ohne Grund bei allen Läfern als ein rotes Tuch erscheinen lassen.

Ungeplanter Zusammenstoß mit einem Nordic Walker

1.2.2007

Bisher war ich ein durchaus friedlicher und freundlicher Langstreckenläufer, der seine Bahnen durch herrliche Laufreviere zog, bei Regen und bei Sonne anderen Läufern und ähnlich agierenden Zeitgenossen, die er unterwegs traf, zulächelte, und der ein Konkurrenzgefühl nur auf der Rennbahn erlebte. Das friedliche Nebeneinander der verschiedenen Modeformen des Laufsports war für mich Gesetz. Die Dinge ändern sich offenbar manchmal sehr schnell.

Ganz klar: wer viel läuft, trifft häufig auf andere Läufer und ebenso häufig auf herumstaksende Spaziergänger, die mit viel zu groß ausladenden Waffenstöcken den Boden drangsalieren und zusätzlich den von Ihnen eigentlich benötigten Raum auf einem Weg oder Pfad künstlich verbreitern. Muss man diesen Mikado-Walkern gegelegentlich im Entgegenkommen ausweichen, weil sie sich gedanklich immer noch in ihrem wer-weiß-wie-breiten Auto sitzend wähnen, und offenbar auch auf den unreglementierten Pfaden der Natur ihr Recht auf Vorfahrt einfordern, so tut man auf jeden Fall gut daran, beim Überholen oder Vorbeillaufen eines Mikado-Walkers den Abstand groß zu halten. Nicht nur das. Ich möchte hiernmit dazu aufrufen, künftig beim Einleiten eines Überholvorgangs hinter einem die Waffenstangen schwingenden Spazierstakser dieses Überholen mit lautem Trillergepfeife anzukündigen. Sicher ist sicher. Das wird sie/ihn vielleicht davon abhalten, dich selbst am Überholen zu hindern. Sie tuen dies sonst mit der unnachgiebigen Gewalt ihrer/seiner Waffenstöcke.

Machst du nicht auf dich aufmerksam, so bist du für diese rohen Mikado-Walker Freiwild. Die Konsequenzen einer - ja völlig unerwarteten - bewaffneten Auseinandersetzung wünsche ich auch meinen ärgsten Konkurrenten nicht.

Was war da passiert ?

Heute Morgen bei leichtem Regen aber milden 5°C bin ich am Eichkamp und der unterhalb des Teufelsbergs liegenden Gartenkolonie vorbei in den Grunewald gestartet. Herrlich so ein kurzer Lauf am Morgen - doch, wirklich.

Auf dem schmalen Weg entlang des Koloniezaunes, einige Dutzend Meter bevor er auf den Schildhornweg mündet sah ich von Ferne schon ein Walkerpaar in Action. Sie waren recht schnell unterwegs, Powerwalker, teilbewaffnet, Sie mit energisch und impulsiv auf und ab schwingenden Armen, ohne Stöcke, am rechten Rand des Weges; er versuchte Schritt zu halten und stocherte mit seinen Waffen verzweifelt auf und ab. Damit war augenscheinlich der Weg für mich blockiert. Ich kam von hinten näher, verlangsamte meinen Schritt, um an geeigneter Stelle nach links ausweichend an den beiden vorbei zu ziehen. Ein freundliches 'Guten Morgen' lag mir schon auf den Lippen, das ich, sobald ich mich auf ihrer Höhe befunden hätte, fallen lassen wollte. Der Gegenwind aber war kräftig. Sie hätten es deshalb von hinter gar nicht gehört, hätte ich schon vor dem Überholen Grüßen wollen.

Ich hätte es dennoch versuchen sollen, mich von hinten bemerkbar zu machen, denn als hätte ich es nicht schon irgendwann einmal in einem Vers von Achilles gelesen: Stäbchen-Walker sind immer unter sich und benötigen jederzeit soviel Raum um sich herum, so weit ihre Stäbchen eben reichen. Das muss ich in Zukunft bedenken, denn als ich auf Höhe des den Boden malträtierenden Walkers links neben dem Weg im unebenen Grün vorbeilaufen und freundlich grüßen wollte: - Zack, fuhren plötzlich beide Läuferfallen nach links und zwischen meine Beine aus. Aah! Sch.. eingeklemmt zwischen rechter Patella und linker Wade hielten die Stöcke aber dagegen. Im nächsten Augenblick liessen die eisernen Krallen wieder locker, aber dass ich mir bei dieser kurzen Begegnung die Patella geprellt hatte, war mir sofort klar, war intensiv zu spüren. Einige Meter weiter ließ ich mich vor Schmerz in Trab zurückfallen und ging schließlich nur noch. Erst mal den Schmerz kommen lassen. Dem immer noch freilaufenden Walker tat unser Zusammntreffen zwar sichtlich leid, dies aber entschärfte nicht die Gefahr seiner Waffenstöcke und auch nicht meinen Schmerz. Der ließ erst langsam nach, nachdem ich fluchend wieder Fahrt aufgenommen hatte und mir nun Gedanken über mein eh schon vorgeschädigtes rechtes Knie machte. An der Wade war bis hier nichts zu spüren. Es lief auch bald wieder normal. Ich legte zwei Tempointervalle ein. Herrlich in der angenehmen, wenn auch feuchten Luft.

Der Schock kam nach dem Laufen beim Dehnen. Die linke Wade fühlte sich in der Dehnung etwas gnubbelig an, schmerzte leicht am oberen Ansatz. Mal mit der Hand gefühlt - au, das ist 'ne Druckstelle! Und beim weiteren Dehnen nahm ein leicht stechender Schmerz nun Gesalt an. Vonwegen Patella-Prellung. Nachdem ich in der Umkleide auch noch die Laufhose runter hatte, an der nur leichte Schnutzspuren zu sehen waren, sah ich das ganze Ausmaß: Prellung und aufkommender Bluterguss, dazu noch eine nette Abschürfung quer über die Wade. Ich habe das bei der Begegnung gar nicht so gemerkt, aber die Waffenstöcke scheinen zusätzlich mit Widerhaken oder scharfen Kanten ausgestattet gewesen zu sein. Das gehört ja wohl verboten...
Mittlerweile ist der Muskel leicht angeschwollen, stark druckempfindlich und spannt beim Gehen. Und dies am Beginn meiner Vorbereitung auf einen mir recht wichtigen Straßenwettkampf im April. - Das habe ich mir anders vorgestellt.

Dies ist übrigens eine wahre Begebenheit, die sich auch so zugetragen hat.

000003  | Kontakt |  Startseite |  Blog |  letzte Änderung: 08.02.2007 © Christian Drews